3 Wochen Peru und Amazonas mit Kleinkind

Mit Kleinkind am Amazonas
Mit Kleinkind am Amazonas

Ich muss zugeben ich war ziemlich aufgeregt vor dieser Reise. Nach fast zwei Jahren Corona würde ich das erste Mal wieder fliegen. Mit Flugangst und einem Kind das noch nie geflogen ist, keine zwei Jahre alt war und ohne Toby. 36h Anreise und 40 Stunden Heimreise, an einen Ort der nur mit Flieger oder Boot erreichbar ist.

Anreise

Da die günstigsten und zeitlich besten Flüge von München starteten, entschlossen wir uns unsere Reise mit einer vier stündige Autofahrt nach Freising zu beginnen. Mit Sack und Pack trafen wir uns also bei meinem Auto. Aber wer sind eigentlich wir?

Die Gang: Hannah, Alon, die Kleine und Ich

Die Gang

Für ein gutes Projekt braucht man einen guten Fotografen und so war ich unendlich glücklich den talentierten Fotografen Alon Mekinulov mit an Board zu haben. Doch eine Reise mit der Kleinen, ohne Toby, dafür mit einem fremden Mann würde für die Kleine, die zu der Zeit noch sehr schüchtern war, eine große Herausforderung werden. Und wer würde sich um die Kleine kümmern wenn ich Tiere behandelte? Wie es das Schicksal will, ist Alon in einer Beziehung mit Hannah, die von der ersten Sekunde einen Draht zu der Kleinen hatte und sowieso mitreisen wollte. Und so war die Gang komplett: Influenzerin/Tierärztin, Fotograf, Babysitterin und die Kleine ♥️

Die Kleine mit „Babysitterin“ Hannah

In Freising angekommen suchten wir uns einen gratis Parkplatz und spazierten zum Zug der uns zum Flughafen brachte.

Ab zum Zug, Kuscheltier für den Amazonas: natürlich ein Faultier 🦥

Flüge

Drei Flüge brachten und schließlich an unser Ziel. Der Erste nach Madrid, der Zweite nach Lima und der Dritte nach Iquitos. Mit viel Spielzeug, Büchern, Schlafen, Snacks (ich hatte eine Quetschi für jeden Tag dabei) und ganz viel Stillen, waren die Flüge für die Kleine ein Klacks und für mich, dank Hannah und Alon die immer behilflich waren und vieles trugen, auch locker machbar.

Im Flieger nach Peru mit Kleinkind auf der Schoß

Ich hatte immer die Absicht zwei Jahre lang zu stillen, wie es die WHO empfiehlt, und so stillte ich auch noch zu dem Zeitpunkt als wir Peru bereisten und die Kleine noch keine zwei Jahre alt war. Es war eine gute Entscheidung. Ich wusste, dass sie immer etwas zu sich nehmen konnte, falls sie mit dem Essen Probleme hätte oder krank werden würde und es war ein guter Rückzugsort für sie der ihr Sicherheit gab. Für mich war es natürlich auf der Reise anstrengend aber definitiv wertvoll, da die Kleine sowohl im Flieger, als im Bus oder Holzboot einschlie

Iquitos

36 Stunden nachdem wir also unsere Reise angetreten waren, landeten wir endlich in Iquitos. Von dem besprochen Kindersitz war in dem klapprigen Kleinbus, der uns abholte, natürlich nichts zu sehen. So wurde unser Sack und Pack eingeladen und mit der Kleinen auf dem Schoß ging es eine Stunde durch Stadtverkehr der bald von Dörfern abgelöst wurde. Statt Häusern und dicht gedrängte Autos und Mopeds, erblickten wir Felder und Wälder durch die Scheiben unseres Busses. Bald war die Landstraße die einzige betonierte Straße, die links und rechts in Sandstraßen verlief.

Flughafen in Iquitos

Ankunft im Rescue Center

Ohne erkennbares Ziel wurde der Bus plötzlich langsamer und blieb in einem Waldstück neben einem großen Tor stehen, das umgeben von Büschen und Bäumen keinen Einblick auf das Innere zuließ. Das hupen wurde nicht gehört und so luden wir unser Gepäck aus und warteten ob jemand das magische Wort sagen und uns endlich Einlass gebieten würde. Der Schweiß lief mir den Rücken hinunter und die Sonne brannte auf unsere Köpfe. Zu erschöpft und vollgepackt mit der Kleinen die auf mir schlief um nach der Kappe in meiner Tasche zu suchen.

Schlafendes Kind am Arm, Reisepass in der Jogger: Ankunft beim Center

„Was hab ich getan?“

Wir waren irgendwo im nirgendwo. Ich muss zugeben, dass ich Peru, zumindest diesen Teil von Peru, komplett unterschätzt hatte. Ich hatte mehr Zivilisation erwartet und fühlte mich ziemlich unsicher. Was wenn etwas passieren würde? Das nächste Krankenhaus war eine Stunde entfernt. Als endlich jemand kam um uns einzulassen, kam ein kleiner Holzweg zum Vorschein der zu unseren Villas führte. Die Situation verbessere sich und der anfängliche Stress war vergessen. Wir bezogen klimatisierte Zimmer mit Badezimmer und Balkon der durch ein Fliegengitter geschützt war.

Unser Balkon in der Villa
Holzweg zu den Villas im Rescue Center, Iquitos

So toll der kurze Holzweg zu den Villas war, so herausfordern waren die Wege die innerhalb des Centers zu bewältigen waren.

Mit Sandsäcken, an den besonders sumpfigen und steilen Stellen, waren die Wege ansonsten nur mit spärlichen Brettern hier und da unterstützt. Mit der Kleinen auf dem Arm, stampfte ich regelmäßig die Strecken rüber zum Aufenthaltsraum und zu den verschiedenen Gehegen, die teils mehrere hundert Meter auseinander lagen.

Der Weg von der Villa zum Aufenthaltsraum

Um so länger wir dort waren, umso öfter wollte die Kleine die Wege selbst gehen, was eine enorme Erleichterung war und jedesmal, wenn sie hinfiel, eine Schlammschlacht. So musste ich das schlammige Kind dann hochnehmen weil sie selbst in dem rutschigen Schlamm nicht mehr aufkam, weshalb meine Kleidung nie lange sauber blieb, und sie dann komplett neu einkleiden, weil sie erstens kein dreckiges Gewand an ihren Körper möchte und zweitens der Schlamm kleine Parasiten beinhaltete die zu Hautausschlägen führten. Trotz der enormen Hitze konnte ich sie aber auch nicht einfach leicht bekleidet rumlaufen lassen, weil der Schutz vor Insekten und vor allem Mosquitos, mit übertragbaren Krankheiten, sonst zu gering war.

Doch so groß der Hitze- und Schwüleschock der ersten Tage war, wir gewöhnten uns doch langsam an die Gegebenheiten. Die Kleidung und die Haare waren irgendwann nicht mehr komplett voll geschwitzt, oder zumindest nahmen wir es nicht mehr als so störend wahr.

Mein einjährigem Kind in Peru

„Schutz gegen Mosquitos? Brauchen wir nicht!“

Auf die Frage hin, ob die Einheimischen denn einen besonderen Trick hatten um sich vor Mosquitos zu schützen, bekamen wir zur Antwort, dass sie das nicht bräuchten. Gegen die meisten Krankheiten sind die Einheimischen geimpft und lästige juckende Mückenstiche (oder Gelsendippel wie man in Österreich so schön sagt) entwickeln sie nicht, weil ihr Körper nicht mehr auf das Sekret der Mücken reagiert. Da das Stechen selbst ja meist schmerzfrei ist und danach nichts juckt, haben Einheimische also keinen Bedarf nach einem guten Mückenschutz.

Arbeit im Rescue Center

Die Auffangstation beinhaltet mehrer große Gehege die über das riesige Gelände verteilt waren. Durch unterschiedliche Wege kam man durch den Regenwald zu den verschiedenen Tieren die meist im größeren Gruppen zusammenlebten um hoffentlich eines Tages zurück in die Natur entlassen werden zu können.

Zu den häufigsten Tieren zählten Rotgesichtklammeraffen und Wollaffen. Doch es gab viele verschiedene Arten, je nachdem welches Tier gerade aus privater illegaler Haltung oder dem illegalen Tierhandel gerettet wurde. Wir hatten einen Waschbären, einen Otter, einen Saki Affen und ein Ocelot. Auch Seekühe und Faultiere wurden laut Team immer wieder zur Station gebracht.

Die Aufgabe der Voluntiere, vor allem derer die nicht im medizinischen Bereich tätig waren, war es nun das Futter vorzubereiten, die Käfige zu reinigen, die Tiere zu füttern und sich Beschäftigungen auszudenken um den Aufenthalt für die Tiere etwas angenehmer zu gestalten. Dem Otter wurde das Suchen und Jagen von Fischen im trüben Wasser beigebracht und mit dem Ocelot „Manakee“, die zu sehr an den Menschen gewöhnt war und nicht mehr ausgewildert werden konnte, wurden täglich Spaziergänge unternommen.

Ein Saki im Rescue Center, Peru

Die Aufgabe der Tierärzt:innen war es die Tiere regelmäßig zu untersuchen, Blut und Kotproben zu nehmen, die Zähne zu untersuchen und wenn möglich zu reinigen, die Tiere zu entwurmen und zu impfen und bei einem Gesundheitscheck festzustellen ob die Tiere wuchsen, zunahmen oder abnahmen.

Die Kleine schaut mir bei der Arbeit zu

Die Momente in den wir direkt mit den Tieren arbeiteten waren die Momente in denen ich ohne Hannah wohl nur zusehen hätte können, weil die Kleine dabei nicht anwesend sein konnte. Dabei waren wir davor meist im Aufenthaltsraum oder bei den Gehegen und die Kleine wurde abgelenkt, sodass ich mich unbemerkt davon stehlen konnte und sie bei Hannah blieb.

Ich weiß schon, es gibt den Glauben, dass man sich immer von seinem Kind verabschieden muss, weil das Kind einen sonst sucht, aber glaubt mir, Verabschiedungen waren zu diesem Zeitpunkt für die Kleine viel schwieriger als die Antwort „die Mama ist am Klo“ wenn sie nach mir fragte. So sehr Verabschiedungen sie zum Weinen brachten, so sehr akzeptiere sie die einfache nicht Anwesenheit und die Antwort, dass ich gleich wieder kommen würde, ohne Stress und Weinen auszulösen. Und als die Tage vergingen und die Kleine die kinderfreundliche Hannah immer besser kennenlernte, konnte ich mich auch entfernen wenn sie mich sah und sagen, dass ich gleich wiederkommen würde.

Am Weg zu den Patienten

Amazonas Reise

Ankunft in der Unterkunft im Amazonas

Nach unserer Zeit im Rescue Center verbrachten wir noch 3 Tage inmitten des Amazonas. (organisiert von der CEO von World Wide Vets, kostenfrei). Dabei überquerten wir mit dem Boot den Amazonas, in dem immer wieder Delfine auftauchten, um danach noch eine Stunde durch kleine Seitenarme zu fahren. Der Handyempfang verschwand und zurück blieb nur das Motorgeräusch des Bootes und die Geräusche des Regenwaldes. Immer wieder erblickten wir Kleine Dörfer, die nur mit Boot erreichbar waren und als wir schließlich zu unserer Unterkunft kamen stiegen wir vom Boot auf einen Steg der zu unserer Stelzenhäusern führte.

Hinter unserem Bungalow: nur Regenwald

Die Kleine und ich bekamen den letzten Bungalow, damit wir unsere Ruhe hatten. War lieb gemeint, aber ich konnte in den beiden Nächten kaum schlafen weil ich die ganze Nacht das Zimmer auf Schlangen und Vogelspinnen kontrollieren musste. In der ersten Nacht wachte ich auf und dachte mir ich bleib einfach munter bis es hell wird, bei einem kurzen Blick aufs Handy sah ich aber dass es erst 3 Uhr war. Also kuschelte ich mich an die Kleine und versuchte nochmal in den Schlaf zu finden, mit der Geräuschkulisse des Dschungels als Einschlaflied.

Bootsfahrten durch den Amazonas
Der Weg zu unserem Bungalow am Amazonas

Die täglichen Bootsfahrten machten aber alles wieder gut. Entweder vor oder nach dem Frühstücken brachen wir das erste Mal auf um mit dem Boot die Flüsse entlang zu fahren und durch Mangroven Wälder zu steuern. Zwischen Mittag- und Abendessen unternehmen wir dann noch 2-3 Touren. Auch Nacht ging es aufs Wasser um Tiere und Natur zu beobachten 💚

Kaimane, Faultiere, Frösche, viele Schlangen (auch eine (leider tote) Anakonda), verschiedenste Papageien und viele anderen Vögel durften wir von unserem Boot aus bewundern.

Impfungen

Für unsere Impfungen waren wir in der Klinik Favoriten. Nach einem langen hin und her wer sich denn während Corona noch um Reiseimpfungen kümmert bekamen wir schließlich doch einen Termin in der so gut wie leeren reisemedizinischen Ambulanz und ließen uns beraten welche Impfungen und Medikamente für unsere Reise wichtig wären. In der Klinik war es natürlich viel günstiger als im Tropeninstitut oder privaten Reiseärzten.

💉Impfungen die man auch ohne Reisen impft und natürlich für die Reise geimpft sein sollte

  • Diphtherie
  • Tetanus
  • Pertussis (Keuchhusten)
  • Mumps
  • Masern
  • Röteln (MMR)
  • Pneumokokken
  • Influenza

💉 Impfungen speziell für die Reise nach Peru

  • Gelbfieber
  • Hepatitis A + B
  • Tollwut
  • Typhus

Medikamente und Schutz

Zika

Solltet ihr schwanger sein oder im nächsten halben Jahr eine Schwangerschaft planen ist vor einer Reise nach Südamerika abzuraten. Eine Infektion mit Zika kann zu Hirnschäden des Ungeborenen führen.

Mückenschutz

Achtung, für Kinder unter 2 Jahren gibt es einen extra Mückenschutz. Damit schützt ihr euch vor Krankheiten und Parasiten gehen sie man sich nicht impfen lassen kann.

Malaria

Ob man schon vor der Reise eine Malaria Prophylaxe einnimmt oder nur die Medikamente für den Notfall mitnimmt entscheidet sich je nach Reiseregion und sollte mit dem Arzt oder der Ärztin besprochen werden.

Kosten

Flug: 750€ Helga 422€ Kleine

Unterkunft, Anreise vom Flughafen/ Abreise zum Flughafen und Essen waren im Programm von World Wide Vets Enthalten. Die Kosten für das Programm lagen bei £882 für 2 Wochen.

Impfungen und Malaria Prophylaxe sind auch noch teure Investitionen die je nach Marke, Länge des Aufenthalts und welche Impfungen ihr noch braucht bei 200-500€ liegen.

Sowohl das Projekt als auch die Amazonas Reise waren Kooperationen und somit musste ich nur die Flüge und die Medikamente/Impfungen für die Kleine und mich zahlen.

Keine Visum erforderlich.

Bitte über die aktuelle Corona Lage und Pflichten für die Einreise.

Spende

Mein Spendenverein Donate A Postcard, an den meine Instagram Einnahmen gehen, spendete 500$ in Form von Medikamenten und Impfungen für die Tiere in Peru.

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